Der gottverlassene Gott

Es ist verrückt. Skandalös. Was für eine Schande. Dieser Gekreuzigte. Ein Verlierer. Gescheitert. Verflucht. Was für eine Geschichte. Unglaublich. Um die neunte Stunde rief Jesus laut: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Und dann neigte er sein Haupt und starb. 

Die Ankläger haben sich durchgesetzt. Die Verteidiger haben geschwiegen. Die Maschinerie des Todes ist in Gang gesetzt, unaufhaltsam. Die Türen sind geschlossen. Keiner mehr, der eingreifen könnte, kein Präsident, kein Statthalter, kein Richter. Die Gnadengesuche sind ausgeblieben. Jetzt ist die Zeit der Henker. Es ist dunkle Zeit. Die Lüge ist am Ziel. Dunkle Stille. Karfreitag.

Schon damals konnten die Menschen nur müde über die Behauptung lächeln, dass in diesem Gekreuzigten Gott zu erkennen sei. „Ein Gott, der leidet? Undenkbar! Ein Gott, der dem Leiden nicht aus dem Weg geht? Unmöglich!“ 

Aber genau dafür steht dieser Karfreitag: Uns wird ein Gott vorgestellt, der mitten hineingeht in den Dreck und das Elend unserer Welt. Mitten hinein in Blut, Schweiß und Tränen. Gott in der Krise. Bloßgestellt. Ausgeliefert. Am Ende. 

Der gottverlassene Gott. Nicht gekommen, um das Leid zu beseitigen. Auch nicht, um es zu erklären. Sondern um es mit seiner Gegenwart zu erfüllen!

Ich wünsche Ihnen gesegnete Ostertage!

Wolfgang Klimm

Pastor Wolfgang Klimm

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