Auf einen Espresso mit dem Seelsorger – September

Auf’n Espresso mit dem Seelsorger – September 2026

Wann haben Sie das letzte Mal im Familienalbum geblättert? In schönen Erinnerungen geschwelgt?  Sie finden dort die fröhliche Feier zum runden Geburtstag, die wunderschöne Hochzeit, den feierlichen Schulabschluss oder die erlebnisreichen Urlaube am Strand mit den Kindern.

Was eher nicht abgelichtet ist, sind die alltäglichen Missgeschicke – wenn die Fetzen fliegen oder Beziehungen gar zerbrechen.

Die Bibel ist da ehrlicher: Sie erzählt gleich auf den ersten Seiten von einem heftigen Bruderzwist. Das fängt ja gut an mit den Menschen. 

Was haben Adidas und Puma, die Firma Bahlsen und die beiden Söhne von Adam und Eva gemeinsam?

Es sind tragische und konfliktreiche Familiengeschichten – Dabei geht es weniger um Geld, als um Anerkennung, alte Verletzungen und enttäuschte Erwartungen.

Und oft müssen die Eltern hilflos mit ansehen, wie bei den erwachsenen Geschwistern die Fetzen fliegen und der Streit eskaliert: Bei Rudolf und Adolf Dassler läuft das gemeinsame Unternehmen zunächst richtig gut. Doch ab 1948 werden die beiden zu knallharten Konkurrenten: Adolf „Adi“ Dassler gründet Adidas und sein Bruder Puma. 

Ähnlich verlief die Familiengeschichte Bahlsen. Nach monatelangen Streitereien und Querelen beschloss die Familie Bahlsen im Sommer 1999 die Aufspaltung des traditionsreichen Familienkonzerns. Zum 1. Juli übernahm Werner Michael Bahlsen die süße Kekssparte. Bei ihm verblieb die Marke Bahlsen. Sein Bruder Lorenz übernahm den salzigen Snack-Bereich. 

Bei solchen Zerwürfnissen fragt man sich: Wie konnte es soweit kommen? Dabei hat alles so glücklich begonnen.

Kennen Sie dieses Gefühl? „Diese Welt ist ungerecht. Bei anderen läuft alles rund, die sind gesund und glücklich. Und ich kann machen, was ich will, ich komme einfach auf keinen grünen Zweig. Warum ist der andere klüger, reicher, schöner als ich? Warum fällt dem alles in den Schoß und ich gehe leer aus?“

Das Leben verteilt seine Chancen nicht gerecht – und nicht jeder bekommt, wovon er träumt oder was er meint, verdient zu haben. 

Für dieses Gefühl gibt es auch zynische Worte: „Der Teufel scheißt auf den größten Haufen“ oder musikalisch bearbeitet von der schwedischen Popgruppe ABBA: „The winner takes all“. (Der Gewinner bekommt alles).

Kommen wir zurück zu der biblischen Geschichte: Kain will sich nicht damit abfinden, übersehen zu werden. Dass sein Bruder bevorzugt wird. Dass er benachteiligt wird. Da kommt eine heftige Lawine von Frust und Zorn bei ihm ins Rollen.

Bis zu dem Schlusspunkt, dass sich seine bittere Enttäuschung an seinem Bruder entlädt und er ihn am Ende erschlägt. 

Ziemlich ernüchternd, oder?

Und anstatt dass Gott die Katastrophe verhindert und dem Rad der Geschichte in die Speichen fällt, lässt er den Karren in dieser Geschichte gegen die Wand fahren. 

Eine denkwürdige Geschichte. Vielleicht wäre die Geschichte versöhnlich ausgegangen, wenn die beiden Brüder im Gespräch geblieben wären. Wenn der Frust frühzeitig zur Sprache gekommen wäre und nicht andauernd weitergären konnte. Wenn die Familie sich zusammengesetzt und die Enttäuschung Raum bekommen hätte, um sich anzunähern und deutlich zu machen, dass es auf jeden ankommt und jeder von Bedeutung ist. Vielleicht wäre am Ende ein Versöhnungsfest gefeiert worden mit einem schönen Bild fürs Familienalbum.

Hätte, hätte…

Und wir? Wir bekommen in unserem Umfeld Familienalben zu sehen, in denen alles in bester Ordnung zu sein scheint. Nur bei uns nicht.

Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Menschen erleben Unfrieden. Menschen streiten, hassen, trennen sich. Das findet Gott nicht gut und wir leiden auch darunter – aber wir sind nicht die einzigen, denen das passiert. 

Vor allem wird das Leid schlimmer, wenn wir so tun, als sei alles in bester Ordnung, weil ja bei allen anderen alles in Ordnung ist. Glauben wir. 

Wenn wir aufhören, eitel Sonnenschein zu spielen und unser Leben als Fotoalbum darzustellen, begegnen wir Menschen, denen es ähnlich geht wie uns. Menschen, die vielleicht auch versucht sind, ein perfektes Fotoalbum zu zeigen, obwohl sie gerade in Streitereien und Querelen verwickelt sind.

Deshalb erzählt die Bibel so ungeschminkt die Familientragödien ihrer Helden. Um deutlich zu machen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen und Gott mit uns die Höhen und Untiefen des Lebens und unserer Beziehungen durchlebt. Und uns dabei hilft, dass wir uns der Wahrheit stellen, anstatt die schöne Fassade zu pflegen.

Herzliche Grüße

Wolfgang Klimm

Pastor Wolfgang Klimm

Unser Seelsorger steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen und Mitarbeitenden unabhängig von ihrer Konfession oder ihrer weltanschaulichen Prägung als Begleiter und Gesprächspartner zur Verfügung.

Nehmen Sie gerne Kontakt auf,
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  • über Ihre Sorgen oder Ängste sprechen möchten,
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Kontakt und Terminvereinbarung
mit Pastor Wolfgang Klimm
Telefon: 040 55425-371
E-Mail: klimm@elim-diakonie.de