Der Tod ist der große Störfaktor, der uns den Spaß am Leben verhagelt. Deshalb wird er auch erfolgreich aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Wir haben dadurch verlernt, wie wir einem Menschen begegnen, der trauert. Ja der Trauernde entschuldigt sich oftmals, dass er traurig ist. „Lasst euch nicht stören“! Und ältere Menschen sagen manchmal: „Seid bloß nicht traurig, wenn ich gestorben bin!“ Dabei ist es doch so, dass wer einen Menschen geliebt hat, darunter leidet, dass der Geliebte nicht mehr da ist. Wer sich wünscht, dass die Trauer verschwindet, der wünscht sich im Grunde, dass die Liebe zu dem verstorbenen Menschen verschwindet.
In der jüdischen Kultur gibt es ein starkes Trauerritual, das Schiwa genannt wird. Schiwa steht für die Zahl „sieben“. Der Trauernde bleibt nach dem Tod des Angehörigen sieben Tage in seiner Wohnung. Die Freunde und Verwandten besuchen und unterstützen den Trauernden während dieser Zeit. Auch an den großen jüdischen Festen wie z.B. Jom Kippur oder Pessach wird der Toten gedacht, um die Verbindung aufrecht zu erhalten. Denn Trauern und Feiern in Gemeinschaft verbindet.
Meine Tochter erzählte mir diese Woche von einem Konzert mit Tom Odell, das sie besucht und beeindruckt hat: Der Musiker hatte im Vorfeld die Besucher gebeten, wenn sie mögen, ihm ein Bild eines Menschen zu schicken, den sie vermissen, weil er verstorben ist. In seinem Song „When I close my eyes“, in dem er einen eigenen Trauerfall verarbeitet, hat er dann die einzelnen Bilder eingeblendet. Die Atmosphäre sei mit den 9000 Besucherinnen sehr getragen gewesen. Mit so manchen Tränen. Danach ging es fröhlich weiter…
Ein beeindruckendes Beispiel von gelungener Trauerkultur mitten im Leben.
Diesen Zusammenhang von erfahrenem Leid und Lebensglück beschreibt eine Hörerin des philosophischen Radios Frieda B.: „Das Glück lehnt sich an das Leid und das Leid lehnt sich an das Glück. An dem Tag, als ich meinen Sohn Michi verlieren musste, war ich bis zur Nachricht, dass ihm etwas passiert ist, so glücklich, wie eigentlich nie zuvor. Ich spürte dieses Glücksgefühl so intensiv wie noch nie in meinem Leben. Genau in diesem Moment ist das Unglück, das Leid über mich, über uns gekommen. Mein Sohn Michi ist genau in diesem Moment tödlich verunglückt. Von dieser Minute, von diesem Tag an, war mein Leben umgedreht. Wie eine Eieruhr. Von Glück auf Leid.
Die Philosophie und die Natur haben mir dabei geholfen zu verstehen, dass dies in unserem Dasein so ist. Die Natur zeigt es mir: Regen, Sonne. Regen. Nebel, Sonne. Leid zu verdrängen, bedeutet, unnatürlich zu leben. Ich habe auch das sehr hart erleben müssen: Freunde, die keine Freunde sind. Die sich verabschiedet oder ganz einfach nicht mehr gemeldet haben, weil sie sich konfrontieren sollten mit dem, was einem Menschen einmal oder mehrmals im Leben passieren kann: Krankheit, Tod, Trauer, Trennungsschmerz.
Ich bin heute ein anderer Mensch als früher. Vielleicht abgeklärter. Ich bin nicht verbittert, aber ich habe das Leben und die Menschen kennengelernt. Ich bin stärker und klarer und spüre in mir eine tiefe Dankbarkeit für alles, was ich jetzt haben darf.“
Der November macht einigen Menschen traditionell ziemlich zu schaffen. Eine Art Novemberblues stellt sich ein. Unsere auf Glück ausgerichtete Stimmung wird eingetrübt. Es soll bitteschön schnell wieder Frühling werden. Wärmer, heller, fröhlicher.
Traditionell erinnern wir uns im November an die Verstorbenen des zu Ende gehenden Jahres.
Auch das noch.
Ich wünsche uns, dass wir der Novemberstimmung, der Trauer und dem Leid den gleichen Raum geben wie dem Lebensglück.
Seien Sie herzlich gegrüßt.
Wolfgang Klimm
Unser Seelsorger steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen und Mitarbeitenden unabhängig von ihrer Konfession oder ihrer weltanschaulichen Prägung als Begleiter und Gesprächspartner zur Verfügung.
Nehmen Sie gerne Kontakt auf,
wenn Sie z. B.
Sie sind herzlich zu den regelmäßig stattfindenden Andachten eingeladen.
Kontakt und Terminvereinbarung
mit Pastor Wolfgang Klimm
Telefon: 040 55425-371
E-Mail: klimm@elim-diakonie.de
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