Was zeichnet den Menschen aus? Wieviel ist er Wert? Woran mache ich seinen Wert fest? Das Grübeln wird zur grundsätzlichen Fragestellung in der diakonischen Arbeit.
Wir könnten dies versuchen, den Wert des Menschen über seinenzu Marktwert ermitteln: Da wäre z. B der Materialwert unserer Körperteile. Wie viel ist ein Herz wert? Oder eine Niere? Auf dem Schwarzmarkt könnten über 120.000 Euro bis 180.000 Euro erzielt werden.
Oder über den Versicherungswert laut Unfall- und Lebensversicherung: Der wird über Verdienstmöglichkeiten, Lebenserwerbszeit abzüglich Aufwendungen für die Ausbildung berechnet.
Oder wir werfen unsere Arbeitskraft und Leistungsfähigkeit in die Waagschale: Leistung macht die Bezahlung.
Bei dem Fußballer Florian Wirtz sind das ca. 150 Millionen. Da können nur Besondere mithalten: Würden Sie sich z. B. als ein Liebhaberstück bezeichnen? Als ein Unikat? Unendlich wertvoll?
Eine Lehrerin möchte ihrer Schulklasse den Erfindungsreichtum der modernen Gesellschaft nahebringen. Sie spricht mit den Schulkindern über all das vermehrte Wissen und Können der letzten Jahrzehnte.
Die Kinder bekommen dabei ganz große Augen. Schließlich fragt sie die Kinder: „Kann mir einer von euch eine wichtige Sache nennen, die es vor fünfzig Jahren noch nicht gab?“ –
Zunächst herrschte Schweigen.
Die Lehrerin wiederholt ihre Frage: „Kann mir einer von euch eine wichtige Sache nennen, die es vor fünfzig Jahren noch nicht gab?“ –
Ein Junge in der ersten Reihe meldet sich eifrig und sagt voller Stolz: „Mich!“
Cleveres Bürschchen, oder?
„Wie ich der wurde, den ich mag“¹ – so lautet der Titel eines Buches, das ich vor einige Zeit gelesen habe. Pierre Stutz ist der Autor. Er erzählt von seiner Kindheit als jüngstes von vier Kindern in einem Dorf in der Schweiz. Sein Vater ist der Bürgermeister in dem kleinen Ort. Und deshalb ist für die Familie immer wichtig: „Was denken die anderen? Habe das immer im Hinterkopf, wenn du eine Entscheidung triffst.“
Schließlich verlässt Pierre das Dorfund wird katholischer Priester und Jugendseelsorger. Sehr offen erzählt der Autor von den Krisen und Brüchen in seinem Leben.
Mit Ende 40 ist er mit seiner Kraft am Ende. Er beginnt Therapien und arbeitet an der Frage: „Wer bin ich im Grunde meines Wesens?“ Und er entdeckt: so viel hab ich verdrängt im Lauf meines Lebens. So vieles vernachlässigt.
Sein größter Schmerz: Er kann sich nicht wirklich selbst annehmen, und lieben.
Es dauert lang, fast 50 Jahre, bis er seinen Herzenswunsch annehmen, aussprechen und leben kann: Lieben. Mit einem Partner zusammenleben. Er gibt sein Priesteramt auf und orientiert sich neu.
Endlich gelingt es ihm, der Mensch zu werden, den nicht nur andere mögen, sondern den er selbst mag. Er hat die Liebe seines Lebens gefunden. Mit seinem Mann ist er nun schon einige Jahre verheiratet und kann als fast 70jähriger heute sagen: Es ist nie zu spät so zu werden, wie wir von Anfang an gemeint sind: geborgen und frei.
So beginnt auch die Geschichte des Menschen in der Bibel: Jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, seinem Geschlecht, seiner Religion, der Leistungsfähigkeit oder seiner Lebensform, ist zum Bild Gottes erschaffen. Diese göttliche Würde ist nicht nur Privileg, sondern sogar universales Merkmal des Menschen. Und wer ihn achtet, ehrt das Unsichtbare im Sichtbaren. Wer ihn liebt, betet mit offenen Augen.²
Was sind wir wert? Unbezahlbar. Unendlich geliebt und wertvoll. Jeder Mensch. Dies gilt es zu erkennen, zu glauben und zu behaupten.
Herzliche Grüße
Wolfgang Klimm
¹ Pierre Stutz: „Wie ich der wurde, den ich mag“ (Droemer, Knaur, 2023)
² Martin Thoms: „Die biblische Urgeschichte“, S. 46f (Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2026)
Unser Seelsorger steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen und Mitarbeitenden unabhängig von ihrer Konfession oder ihrer weltanschaulichen Prägung als Begleiter und Gesprächspartner zur Verfügung.
Nehmen Sie gerne Kontakt auf,
wenn Sie z. B.
Sie sind herzlich zu den regelmäßig stattfindenden Andachten eingeladen.
Kontakt und Terminvereinbarung
mit Pastor Wolfgang Klimm
Telefon: 040 55425-371
E-Mail: klimm@elim-diakonie.de
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