Auf einen Espresso mit dem Seelsorger – März

Auf’n Espresso mit dem Seelsorger – März 2026

Haben Sie es schon einmal erlebt, dass sich ein Besucher in der Kirche eine Zigarette angezündet hat?  Oder können Sie sich vorstellen, dass ein Besucher im Kölner Dom oder im Hamburger Michel sein Handy auf laut stellt? Warum macht das niemand? 

Wie geht es Samstagmorgens beim Bäcker zu: Alle stellen sich in der Schlange an und warten, bis sie an der Reihe sind. Wer sich vordrängelt, bekommt Ärger. Obwohl das in keinem Aushang der Bäckerei zu lesen ist, wie man sich zu verhalten hat. Wieso hält sich dann trotzdem jeder daran?

Weil dies ungeschriebene Gesetze sind. Das gehört zu unserer Kultur in Deutschland. 

Seit einiger Zeit wird die Frage diskutiert, ob es auch so etwas wie eine „diakonische Kultur“ gibt. Eine diakonische Unternehmenskultur. Welche Ausdrucksformen hat diese Kultur? 

In der Vergangenheit konnten ungeschriebene Gesetze am Verhalten der Diakonissen im Alltag abgelesen werden. Heute sind Diakonissen nur noch selten im Arbeitsalltag zu erleben. Es stellt sich deshalb die Frage, wo wir in Zukunft die „Unternehmenskultur“ der Diakonie ablesen können. 

Im letzten Espresso habe ich den Herzschlag der Diakonie anhand der Geschichte vom barmherzigen Samariter beschrieben. Von diesem Typen hat man das am wenigsten erwartet. Denn in den Augen der Frommen hatte er den falschen Glauben, war menschlich disqualifiziert und außerdem kam er vom Ausland. 

Jesus machte mit dieser Geschichte klar: Es kommt nicht zuerst auf das richtige Glaubensbekenntnis an, sondern auf die Haltung und die gelebte Nächstenliebe. 

Die Diakonie versteht sich demnach als eine Gemeinschaft derer, die sich diese Nächstenliebe, die Sorge um den Menschen auf ihre Fahne geschrieben hat.

Allerdings ist diese Haltung bzw. Kultur nicht etwas, das eine Gruppe von Menschen hat und danach ihre Lebens- und Arbeitspraxis richtet. Diese Kultur wird auch nicht durch Leitbilder oder Bekenntnisse gesetzt und dann richten sich alle danach.   Sondern Kultur ist ein dynamischer Prozess, der in der alltäglichen Praxis durch die beteiligten Menschen Gestalt gewinnt. Bleibt also wandelbar und ist nicht fixiert.

Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen dabei die Führungskräfte. Sie sind die maßgebenden Kultivierer bzw. Kulturgestalter.  Sie sorgen und ermöglichen eine kulturelle Inszenierung, machen die Werte wie Respekt, Menschlichkeit, Toleranz und Achtsamkeit für die Belegschaft erlebbar. Sie sorgen für Orte der Verständigung und Reflexion über die Ziele und Aufgaben, über das, was Sinn macht, Kraft gibt und zusammenhält.¹

Aus der Perspektive der Mitarbeitenden bewährt sich die Tragfähigkeit der Unternehmenskultur in dieser erlebbaren Führungskultur.

Angesichts der wachsenden Diversität wird Diakonie so zum Übungsraum für das Miteinander verschiedener Lebensentwürfe, Religionen und Kulturen. Idealerweise zu einem exemplarischen Lernfeld für die gesamtgesellschaftliche Frage: Wie können wir gut zusammenleben und zusammenarbeiten, so dass es unser Miteinander nicht stört, dass wir sehr verschieden sind, verschieden essen, feiern und glauben?

Nicht zuletzt ist Diakonie auch eine Frage Ihrer eigenen Wahrnehmung: 
Was sehen Sie an Ihrem Arbeitsplatz in der ELIM Diakonie? 
Welche Veränderungen nehmen Sie wahr?
Was wollen Sie, dass Ihre Kolleginnen, die Bewohner durch Sie erleben?

Wie immer bin ich gespannt auf Ihre Rückmeldungen!

Herzliche Grüße

Wolfgang Klimm

¹ Beate Hofmann: „Merkmale diakonischer Unternehmenskultur in einer pluralen Gesellschaft“ (Kohlhammer, Stuttgart, 2020)

Pastor Wolfgang Klimm

Unser Seelsorger steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen und Mitarbeitenden unabhängig von ihrer Konfession oder ihrer weltanschaulichen Prägung als Begleiter und Gesprächspartner zur Verfügung.

Nehmen Sie gerne Kontakt auf,
wenn Sie z. B.

  • Lebens- oder Glaubenshilfe suchen,
  • über Ihre Sorgen oder Ängste sprechen möchten,
  • ein Fürbitte- oder Segensgebet wünschen.

Sie sind herzlich zu den regelmäßig stattfindenden Andachten eingeladen.

Kontakt und Terminvereinbarung
mit Pastor Wolfgang Klimm
Telefon: 040 55425-371
E-Mail: klimm@elim-diakonie.de