Auf einen Espresso mit dem Seelsorger – Juni

Auf’n Espresso mit dem Seelsorger – Juni 2026

Zu meinem Geburtstag hat mich unsere Schwiegertochter überrascht: Wir saßen gemütlich nach dem leckeren Essen zusammen und sie lud uns zu einem Gespräch über Werte ein. Dazu brachte sie von ihrem Arbeitgeber, der evangelischen Stiftung Alsterdorf, einen Würfel mit, auf dem auf jeder Seite ein Wert abgebildet war. Da war z.B. zu lesen: „Verantwortung“, „Freiheit“, „Nächstenliebe“…Nun sollte jeder einen Wert würfeln und entsprechend seine Gedanken zu dem abgebildeten Wert formulieren. In der Abschlussrunde hatte dann jeder noch einmal die Möglichkeit, seinen ihm wichtigen Wert zu formulieren: Was ist mir wertvoll? Wofür investiere ich meine Zeit und mein Geld?

So ein offenes Gespräch über die eigenen Werte ist eine besondere Erfahrung. Obwohl wir unsere Werte im Alltag leben, sind sie uns selten bewusst. Zumal man sich darüber selten Gedanken macht, aber gleichzeitig seine Werte im Alltag unbewusst lebt.

Wie umstritten bestimmte Werte sein können, wird an einer aktuellen öffentlichen Debatte deutlich: Für welche Werte steht ein „richtiger“ Mann ein? Wofür steht ein „echter“ Mann? 

Der Liedermacher Herbert Grönemeyer hat vor einigen Jahrzehnten dazu bleibende Zeilen getextet: „Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht. Außen hart und innen ganz weich. Werden als Kind schon auf Mann geeicht. Wann ist ein Mann ein Mann?“ An dieser Frage entzünden sich die verschiedenen Vorstellungen im Blick auf Benehmen, Kommunikation, Sexualität und Selbstbewusstsein. „Männer sind quasi die sozialpsychologische Problemzone des 21. Jahrhunderts“, stellt der Trendforscher Eike Wenzel, Gründer des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ) in Heidelberg fest.

Sehr prägnant wird dies in der sogenannten „Manosphere“ deutlich, wo traditionelle männliche Rollenbilder propagiert werden, die auf Dominanz, Kontrolle und der Abwertung von Gleichberechtigung basieren.

Vorbilder für diese „toxische Männlichkeit“ gibt es genügend: Von Trump bis Putin, Von Krah über Erdogan bis hin zu Andrew Tate. Sie bieten einfache Antworten in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt. Ihre Botschaft: Sei ein Typ, mache Ansagen, gehe möglichst breitbeinig durchs Leben. Du musst als echter Kerl dominieren und aggressiv sein. Andere Männer verspotten, die wie ein Weichei auftreten. 

Lassen Sie mich hierzu ein Beispiel aus den Vereinigten Staaten anführen: Dort ist der demokratische Kandidat James Talarico aus Texas eine Zielscheibe für beißenden Spott: Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, schrieb in den sozialen Medien über Talarico: „Die Demokraten haben in Texas Geschichte geschrieben, indem sie ihre erste transgender Senatskandidatin nominiert haben.“

Der konservative Kommentator Todd Starnes schreibt darüber, Talarico habe möglicherweise „eine Vorliebe für Rüschenunterwäsche“. Fox-News-Moderator Jesse Watters deutete fälschlicherweise und keineswegs subtil an, dass Talarico schwul sei.

Präsident Donald Trump hat Talaricos Aussehen mit dem der albernen, großohrigen, gezeichneten Cover-Figur Alfred E. Neuman des MAD-Magazins verglichen. Unter anderem behauptet er, Talarico sei eine Beleidigung für Jesus Christus, da Talarico in seinen Reden des öfteren über seinen christlichen Glauben spricht und darüber, was dies für seine Politik bedeutet. Z.B. Respekt gegenüber benachteiligten Menschen.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Plano, Texas, bezog sich Talarico auf diese Beleidigungen und erzählt von seinem Adoptivvater, der ihn und seine Wertvorstellungen offensichtlich sehr geprägt hat:

„Jeden Samstagmorgen hat mein Vater unseren Rasen gemäht. Und dann, ohne dass ihn jemand darum gebeten hätte, ging er rüber und mähte den Rasen unserer Nachbarin, weil sie eine ältere Witwe war. Er hat nie darüber gesprochen. Er hat es einfach getan, denn so ist das eben als Mann. Nennen Sie mich altmodisch, aber ein Mann übernimmt Verantwortung, er steht zu seinen Verpflichtungen gegenüber seiner Familie und seinen Nachbarn, und er tut das Richtige, auch wenn niemand hinsieht.“

In einer ähnlichen Rede sagte er: „Heutzutage vermittelt unsere Kultur jungen Männern, dass Größe darin besteht, andere fertigzumachen, zu trollen, fertigzumachen und zu dominieren. Aber mein Vater hat mir gezeigt, wie wahre Größe aussieht. Echte Männer dienen anderen; schwache Männer dienen sich selbst.“

Zurück in unsere Breitengrade: In unserem Leitbild der ELIM Diakonie wird das Dienen großgeschrieben. Wir verpflichten uns darin zu „einer tätigen Liebe, die dem anderen zugewandt ist“. 

Wie wäre es, wenn Sie sich einmal die Zeit nehmen, und darüber nachdenken, was Ihre Standards sind? Was Ihnen WERTvoll ist? Für welche Werte Sie stehen und vertreten? In Ihrem beruflichen Alltag und in Ihrem privaten Kontext. Vielleicht sprechen Sie einmal darüber mit Menschen Ihres Vertrauens: Wie leben wir unsere Werte in unserem beruflichen Alltag? Wie lebe ich meine Werte? 

Um den eigenen Werten auf die Spur zu kommen, kann ich folgende Seite empfehlen: www.6minutenverlag.de

Ich wünsche Ihnen inspirierende Entdeckungen und Gespräche!

Herzliche Grüße

Wolfgang Klimm

Pastor Wolfgang Klimm

Unser Seelsorger steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen und Mitarbeitenden unabhängig von ihrer Konfession oder ihrer weltanschaulichen Prägung als Begleiter und Gesprächspartner zur Verfügung.

Nehmen Sie gerne Kontakt auf,
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  • Lebens- oder Glaubenshilfe suchen,
  • über Ihre Sorgen oder Ängste sprechen möchten,
  • ein Fürbitte- oder Segensgebet wünschen.

Sie sind herzlich zu den regelmäßig stattfindenden Andachten eingeladen.

Kontakt und Terminvereinbarung
mit Pastor Wolfgang Klimm
Telefon: 040 55425-371
E-Mail: klimm@elim-diakonie.de