Auf einen Espresso mit dem Seelsorger – Juli

Auf’n Espresso mit dem Seelsorger – Juli 2026

Vor kurzem bin ich über ein Zitat von Robbin Williams gestolpert: „Jeder, den du triffst, kämpft einen Kampf, von dem du nichts weißt. Sei freundlich. Immer.“ Und ich habe mich gefragt, wie so eine Haltung meine alltäglichen Begegnungen verändern würde. Kurze Zeit später habe ich von drei Beispielen gelesen bzw. gehört, die ich mit Ihnen teilen möchte. Weil sie deutlich machen, wie jeder von uns einen Unterschied machen kann:

Da ist zunächst Harry Willhöft, ein Busfahrer in Hamburg. Sein Job ist, die Fahrgäste sicher von A nach B zu bringen. Aber das reicht Herrn Willhöft nicht aus. Er begrüßt jeden Gast beim Einsteigen freundlich mit einem „Guten Tag“ und vor allem die Kinder bekommen ein Bonbon. Offensichtlich macht ihm seine Arbeit Freude und nach seiner eigenen Aussage, könnte er mit seinen 60 Jahren noch bis 70 weiter machen. Denn „es ist eigentlich kein Beruf für mich, sondern mein Hobby.“ An manchen Tagen erklingen im Bus so manche Ohrwürmer, bei denen er mitsingt. Und so mancher Fahrgast summt schon mal mit, wenn z.B. das Lied „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ zu hören ist. Vorn beim Fahrerhaus sitzt auch meistens sein weißer Plüschbär neben ihm – oft mit einem Schild und der Instagram-Adresse des Hamburgers. Denn Harry Willhöft hat nicht nur zahlreiche Fans im Bus, sondern auf Social Media auch Zehntausende Follower.¹

Bei einem Spaziergang hat mir eine psychologische Psychotherapeutin aus unserer Familie von ihrer Intervention mit einer Klientin erzählt: Um ihr bei ihrer sozialen Phobie zu helfen, bekam die Klientin die Aufgabe, in einen Laden zu gehen und dort die Verkäuferin nach einem Tipp für ein Café zu fragen. Auf dem Weg wurde sie von der Psychotherapeutin begleitet und die aufkommenden Ängste und Vermeidungsstrategien benannt. Nach entsprechender Ermutigung betrat die Klientin den Laden und sprach die Verkäuferin an der Kasse an. Diese beschrieb ihr ausführlich und freundlich verschiedene interessante Cafés in der Nähe mit allen Vorzügen und auch Nachteilen. Anschließend verließ die Klientin den Laden und meinte: „Ich lebe noch!“ Neben dieser bewegenden und befreienden Erfahrung finde ich das Verhalten der Verkäuferin bemerkenswert, die von diesem Arrangement keine Ahnung hatte. Sie machte einfach nur ihren Job. Dabei war sie nur freundlich, interessiert und zugewandt. Und für diesen einen Menschen war sie ein richtiger Segen.

Andere kleine freundliche Lichtblicke beschreiben Leser der Wochenzeitung DIE ZEIT in der beliebten Rubrik „Was mein Leben reicher macht“:

Frank Marx aus Wesel berichtet z.B. folgendes:

„Als Arzt behandle ich wohnungslose Menschen in der Wärmestube der Caritas. Ich messe den Blutdruck, verbinde Wunden und stelle Rezepte für kostenfreie Medikamente aus. Als ich gerade am Tisch sitze und eine Verschreibung ausfülle, fasst mich jemand von hinten an. Ich schrecke hoch, dann stelle ich fest, dass es einer meiner Patienten ist. »Doc, ich wollte nur die Nähe zurückgeben, die Sie uns geben«, sagt er.“

Oder Silvia Knötgen aus Wien schildert ein Erlebnis aus ihrem Urlaub: „Bei einer Bergtour in Kärnten begannen sich meine Wanderschuhe aufzulösen. Im nächstgelegenen Sportgeschäft fand ich welche, die aber nicht wirklich passten. Die Verkäuferin riet mir, es in einem Schuhladen im Zentrum des kleinen Orts zu versuchen, wo ich auch tatsächlich fündig wurde. Da mir die Verkäuferin dort wiederum einen Badesee empfahl und ich zufällig Schwimmzeug dabeihatte, eilte ich gleich weiter, um auch diesen Tipp auszuprobieren.

Dann aber hielt mich unterwegs plötzlich eine Radfahrerin an: die Dame aus dem ersten Laden. Ich hatte mein Handy bei ihr liegen lassen, und sie war mir – von einer Empfehlung zur anderen – nachgeradelt, um mich wieder in den Besitz des Telefons zu bringen (dessen Verlust ich selbst noch gar nicht bemerkt hatte). So viel Hilfsbereitschaft!“

Zum Abschluss noch ein Erlebnis aus meinem eigenen Arbeitsalltag in der ELIM Diakonie: Ein ganz normaler Tag mit fleißiger Betriebsamkeit in der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner. Ich bekomme die sorgenvolle Nachricht einer Kollegin mit, dass ein Bewohner sich nicht motivieren lässt. Er liege lethargisch im Bett und rührt sein Frühstück nicht an. Mit einer Tasse Kaffee klopfe ich an der Tür des Bewohners und höre ein zaghaftes „Ja“. Nach einer freundlichen Begrüßung setze ich mich an sein Bett und erkundige mich nach seiner Stimmung und warte ab. Nach einiger Zeit taut der Bewohner auf, richtet sich auf, greift zu seinem Kaffee und lässt sich sein Brötchen schmecken. Dabei erzählt er von seinen Geschwistern, seiner Beziehung zu seinen Eltern und wie sehr er seine Mutter vermisse. Zum Glück habe er eine zauberhafte Frau und es gehe ihm eigentlich ganz ordentlich. 

Was für eine bewegende Erfahrung und Begegnung.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ist doch gar nicht so schwer mit dem freundlich sein, oder?

Herzliche Grüße

Wolfgang Klimm

¹ Melanie Wassink: „Singender Busfahrer begeistert Fahrgäste in Hamburg – und Fans auf Instagram“ (Hamburger Abendblatt, 20.07.2026)

Pastor Wolfgang Klimm

Unser Seelsorger steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen und Mitarbeitenden unabhängig von ihrer Konfession oder ihrer weltanschaulichen Prägung als Begleiter und Gesprächspartner zur Verfügung.

Nehmen Sie gerne Kontakt auf,
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  • über Ihre Sorgen oder Ängste sprechen möchten,
  • ein Fürbitte- oder Segensgebet wünschen.

Sie sind herzlich zu den regelmäßig stattfindenden Andachten eingeladen.

Kontakt und Terminvereinbarung
mit Pastor Wolfgang Klimm
Telefon: 040 55425-371
E-Mail: klimm@elim-diakonie.de