Auf einen Espresso mit dem Seelsorger – August

Auf’n Espresso mit dem Seelsorger – August 2025

Heute empfehle ich Ihnen ein „Trostbuch“.

Doch zunächst will ich Ihnen von Kathrin Kaffenberger erzählen: Sie ist Pfarrerin in der Kinderklinik der Uniklinik Erlangen und weiß um die besondere Bedeutung eines Teddybären in Krisensituationen: Oft nimmt sie in der Klinik nach einem Unglück Kinder in Empfang, die mit dem Rettungswagen gebracht werden. Wenn die nicht schon einen Bären vom Sanitäter-Team erhalten haben, drückt sie den Kleinen einen Teddy oder ein anderes Kuscheltier in den Arm:

„So ein Teddy ist dann ganz wichtig, weil sie sich daran festhalten können.“¹

Mitgebrachte Kuscheltiere, die bei einem Unfall schmutzig und beim Löschen durch die Feuerwehr nass geworden waren, wäscht die Pfarrerin gleich auf der Kinderstation und föhnt sie vor den Augen des kleinen Besitzers trocken. „Damit nach der Katastrophe dann irgendwas noch heil ist.“

Haben Sie auch einen „Teddy“ oder ein anderes Trost-Kuscheltier?

Trostbedürftig sind wir nicht nur als Kinder. Wir bleiben ein Leben lang trostbedürftig. Weil immer etwas Unerwartetes passiert – wir Enttäuschungen zu verkraften haben, erschüttert werden oder Verluste uns Schmerz zufügen. Und es sind nicht nur die großen Schicksalsschläge, die uns trostbedürftig machen. Es sind die unzähligen kleinen und großen Verluste, die unseren Lebensweg säumen. Wenn „etwas Ungutes geschieht, das nicht mehr aus der Welt zu schaffen und nicht wiedergutzumachen ist.“² Das macht uns traurig, weil nichts mehr ist, wie es war und wir ahnen, dass es auch nie wieder so werden wird.

„Warum reden wir so wenig über Trost?“ Diese Frage stellt die Journalistin Madeleine Hofmann in ihrem Buch „Trost“.³ Sie war gerade Anfang 30, startete in ihrem Leben gerade so richtig durch, als sie mit ihrer Brustkrebsdiagnose konfrontiert wird. Sie verliert erst einmal den Boden unter den Füßen. Und durchlebt die damit verbundenen existenziellen Fragen, die mit so einer Lebenskrise verbunden sind: Wem erzähle ich davon, wie es mir ehrlich geht? Wo finde ich Trost?

Die Autorin erzählt ihre persönliche Geschichte auf der Suche nach Trost. Dabei vertieft sie neben den sehr persönlichen Schilderungen die grundsätzliche Fragestellung nach dem Trost unter den Überschriften „Leiden“, „Festhalten“, „Hadern“ oder „Hoffen“. Seite für Seite arbeitet sich die Autorin durch eine Reihe von Maßnahmen und Themengebieten, die potenziell Trost spenden können (Essen, Musik, Kunst, Philosophie) und schreckt nicht davor zurück, ihre Rückschläge Satz für Satz zu sezieren und für die Leser in einen größeren Kontext zu betten. Mit dabei: Anekdoten über Nick Cave, Albert Camus, Harry Potter und Florence Welch, der Indie-Rockband Florence and the Machine.
Ein kluges, ehrliches und berührendes Buch über das, was uns hält, wenn nichts mehr sicher ist. Wenn schwere Tage anbrechen, die das beklemmende Gefühl auslösen „im falschen Film“ zu sein. Und man für sich selbst nach Trost sucht. Oder auch andere trösten möchte.

Herzliche Grüße!

Wolfgang Klimm

¹ Jutta Olschewski: „Trostspender mit Knopf im Ohr: Warum der Teddybär mehr ist als nur ein Spielzeug“ (Sonntagsblatt, 2025)
² Wilhelm Schmid: „Heilung finden“ (Psychologie Heute, 2021)
³ Madeleine Hofmann: „Trost“ (Berlin: Kein&Aber, 2025)

Pastor Wolfgang Klimm

Unser Seelsorger steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen und Mitarbeitenden unabhängig von ihrer Konfession oder ihrer weltanschaulichen Prägung als Begleiter und Gesprächspartner zur Verfügung.

Nehmen Sie gerne Kontakt auf,
wenn Sie z. B.

  • Lebens- oder Glaubenshilfe suchen,
  • über Ihre Sorgen oder Ängste sprechen möchten,
  • ein Fürbitte- oder Segensgebet wünschen.

Sie sind herzlich zu den regelmäßig stattfindenden Andachten eingeladen.

Kontakt und Terminvereinbarung
mit Pastor Wolfgang Klimm
Telefon: 040 55425-371
E-Mail: klimm@elim-diakonie.de